Mittwoch, 20. April 2011

Aus dem Alltag II

Die Tage hier sind recht kurz. Um 18h ist es bereits stockdunkel. Dafuer ist es umso frueher hell. Und so schlafen unsere Kinder morgens nur bis etwa 6h. Trotzdem schlafen sie erst um 20h, das gibt immer eine Stunde weniger als normal, und gegen Abend merkt man das gelegentlich... Inzwischen haben wir uns an die Voegel gewoehnt, ich bin zuvor immer um 5h mit den ersten Vogelschreien aufgewacht. Sie sind wirklich laut (vor allem die kleinen gruenen Papageien) und nicht so fein und unaufdringlich wie die Schweizer Kohlmeisen.

Oatmeal
Nach einem Monat in Yap mit schlampigem Toastbrot zum Zmorge entdeckte Felix zurueck in Guam, dass es dort im McDonalds zum Zmorge Mueesli gibt. Also gings am naechsten Morgen dorthin. Ich war total beeindruckt, es wurde naemlich frisch, mit frischen Fruechten, zubereitet. Zwar jede Portion aus einem eigenen Beutel und das kochende Wasser aus dem Hahnen, aber immerhin... Die Kinder mochten es nicht (da fuer sie ohne Zucker), Felix (mit Zucker) umso mehr. Die Idee war geboren: Jetzt gibts bei uns regelmaessig Oatmeal (oder Porrigde, also warm) mit etwas Zucker und Fruechten. Weil die Haeuser hier weder Heizung noch Isolation haben, ist es super, den Tag mit einer warmen Mahlzeit zu beginnen. (Nur ich mag es nicht, mich erinnert es zu sehr an Haferschleim.)

Komische Leute
Wenn wir zuhause sind, haben wir meistens ein kleineres Ziel pro Tag im Visier: ein Park, die Innenstadt, ein Museum, ein Spielplatz. Da haben wir schon ganz spezielle Leute getroffen. Hier ein paar Muesterchen:
Als wir an der Bushaltestelle auf den Bus warteten, zankten eine wirklich dicke, haessliche (wie sie hier nicht ganz selten sind) und eine aufgetackelte Frau darueber, ob Erstere beim Parkieren ueber den Holzbalken (wahrscheinlich eine Abgrenzung) der Anderen gefahren ist oder nicht. Lautstark, wie in einer amerikanischen Talkshow...
Flurin und Livio kraxelten auf einem "Geldstueck-Auto" vor dem Einkaufsladen rum. Einmal kam eine Frau auf mich zu, weil Livio auf dem Dach sass. Zuerst dachte ich, man duerfe nicht klettern (das wahrscheinlich schon auch), aber die Frau hatte total Angst, dass er hinunterfallen koennte. Das naechste Mal schaerfte ich ihnen also ein, nicht zu klettern. Ploetzlich kam eine Frau auf mich zu und fragte mich im vollen Ernst, ob meine Kinder ihr vielleicht ihre Chips geklaut haetten...
Als Felix die Verkehrspatrouille am Fussgaengerstreifen vor dem Schulhaus fotografieren wollte, die den Kindern nach der Schule jeweils den Weg ueber den einzigen Fussgaengerstreifen unseres Quartiers freigibt, poebelte ihn eine entruestete Mutter aus dem Offroader an, ob er da Kinder fotografiere. Wir wohnen in einer Neighbourhood-Watch-Zone...
Kuerzlich beim Einkaufen, war Felix am Milch aussuchen. Da kam eine Angestellte aus heiterem Himmel zu ihm und wollte ihm zwei einzelne Joghurt andrehen, die eigentlich zusammen gehoerten, weil sie aber jemand auseinandernahm (nicht Felix!), bekaeme er sie guenstiger. An Joghurt waren wir leider nicht interessiert...

Flying Foxes oder Flughunde
Diese findet man in einem Park, nicht allzu weit von uns. Sie machen einen hoellischen Laerm, und es stinkt ziemlich. Felix und ich waren total fasziniert, die Kinder haben sie nach zwei Minuten gesehen... Eigentlich erstaunlich, dass dieser Platz nicht vermaktet wird, fuer alle Europaeer waere das doch sicher einen Ausflug wert

Geld finden
Flurin ist unser Spezialist (das habe er von Felix geerbt...), diese Muenzen hortet er gut und ueberlegt sich exakt, was er ausgeben will und was er danach noch ueberig hat. In einem Laedeli hat er dann lange verhandelt und hin und her ueberlegt. Die Frau im Laedeli war eine Asiatin, fand es total herzig und hatte entsprechend Geduld. In der Zwischenzeit vermuten wir, dass in Asien bzw. China Zwillinge wohl Glueck bedeuten. Dass die Asiaten auch hier so wahnsinnig auf unsere Buben reagieren und oft die Zwillingsfrage stellen, veranlasst uns zu dieser Annahme.

Sprache
Ich staune, wie gut ich mit Englisch zurecht komme. Immerhin habe ich seit meiner Matura kaum mehr gesprochen. Zu sehen, dass ich mich sehr gut verstaendigen kann (ohne Ruecksicht auf Grammatik), dass ich Buecher lesen kann (ich durchforste Tracys Bibliothek - und habe Zeit dazu!!!), freut mich. Nur am Telefon, wenn die Verbindung nicht so gut ist, und mein Gegenueber so schnell spricht, finde ich es nach wie vor schwierig.
Flurin kann sein Englisch gut anwenden (wenn er dann mal Gelegenheit hat, ist er ganz mutig), schnappt Wendungen auf (beim Spielen "it's your turn" oder "it's my go", beim Basteln "look at me") und auch Livio bekommt viel mit. Er sagt "thank you" und " it's very, very good" nur noch in Englisch.

Bastelwut
Jeden Tag gehoert basteln dazu. Livio und Flurin zeichnen, schnipseln und kleben wie die Wilden. Zuerst haben wir gedacht, dass das die Entzugserscheinungen von unserer Mikronesienreise sind. Aber es nimmt nicht ab. Sie sind absolute Schnellbastler und Schnellverbraucher. Nachdem wir festgestellt haben, dass wir nach einer Woche von 500 nur noch etwa 250 Blaetter haben, haben wir zeitweise hart rationiert. Pro halbe Stunde ein Blatt :-) So gesehen war die speziell fuer Kinder konzipierte Dino-Ausstellung ideal: Sie konnten im Sand buddeln und pinseln, es hatte Riesenpuzzles, sie konnten kneten und eine Maske basteln (ohne Materialrationierung). Die Person im Dinosaurierkostuem mit "echten" Geraeuschen, sicher 3 Meter hoch, mal anschmiegsam, mal zum Fuerchten war das Highlight. Livio wollte nicht zu nahe gehen, Flurin ist ihm mutig auf die Fuesse getreten...
Weil hier Ferien sind, gibt es viele Aktivitaeten speziell fuer Kinder - wirklich cool!

Heimweh
Ich vermisse vor allem unseren Garten. Zu sehen, was blueht, was wir im letzten Jahr gepflanzt haben, waere schoen. Auch vermisse ich unsere Nachbarschaft in Kappel. Vor allem, wenn Tracy uns begeistert mailt, dass die Nachbarskinder klingeln und Chloe abholen kommen. Der Kontakt im Quartier fehlt uns schon ein bisschen. Wir haben studiert, was denn hier anders ist: Nachbarschaftliche Kontakte scheinen nicht so verbreitet zu sein - kein Wunder, wenn man das Haus nur verlaesst, um mit dem Auto fortzufahren. In den Quartierstrassen gilt Tempo 60, ueberall am Strassenrand sind Autos parkiert, das macht es extrem unuebersichtlich, so dass die Kinder nicht einfach aus dem Haus gehen und sich treffen koennen. Die Muetter verabreden sich bei einem Spielplatz und fahren dann je ihre Kinder dorthin.
Bezueglich Geige: Das Unterrichten vermisse ich nicht, das Orchesterspiel hingegen manchmal schon.
Felix studiert auch hier immer die Wetterprognosen und ist manchmal frustriert, dass der zeitweilige Dauerregen hier und das Tropische Wetter zu Hause ist.
Flurin und Livio reden oft von ihren Gschpaenli zu Hause und integrieren sie in ihre Rollen- oder Gedankenspiele. Livio hat heute morgen zu unserem Erstaunen gesagt, er sei noch nie bei Goetti Christian gewesen, er wisse gar nicht, wie es dort aussieht. Mit ein paar gezielten Fragen (wo hat Lora ihr Plaetzchen? welche Farbe hat die Kueche?) kamen dann die Erinnerungen schnell zurueck.

Ausblick
Anfang naechste Woche fahren wir in den Norden. Noosa und Frazer Island sind unsere Ziele. Wir hoffen, dort ein paar Tiere zu sehen, womit wir bisher noch nicht angeben koennen...
Ebenfalls in Planung ist ein Ausflug mit einem Koala-Forscher, ein Freund von Luke, der uns mitnehmen moechte, um Koalas in freier Wildbahn zu entdecken. Natuerlich gibt es ueberall die Paerke, wo man Koalas und Kaenguruhs streicheln und fuettern kann, das moechte ich aber erst dann noch unternehmen, wenn wir keine wilden Tiere gesehen haben.

Mittwoch, 13. April 2011

Aus dem Alltag

Zeit fuer Sport
Livio besucht den Schwimmkurs, den ich beobachte und ihm, falls noetig, mal etwas uebersetze. In dieser Zeit schwimmt Flurin mit Felix im anderen Becken.
Felix hat sein gelegentliches Jogging wieder aufgenommen. Naturstrassen gibt es hier leider kaum. Es hat zwar schoene Parkanlagen mit ausgekluegelten Wegnetzen, diese Wege sind aber fast alle geteert.
Ich besuche das Fitnesstraining. Was mir schon zu Schulzeiten immer Spass gemacht hat, war das sogenannte Aerobic. Die "Trendigen" der Gymiklasse haben da manchmal im Turnen eine Stunde gehalten. Bevor es losgehen konnte, musste ich einiges heraus finden: Ort, richtige Kleidung, Art des Fitnessabo, Herausfinden, was "Zumba", "Bodypump" etc. bedeutet, und schliesslich Anmelden.
Ein Fitnesscenter hat mir Felix gefunden, inklusive Kinderhuetedienst, so dass Felix ein bisschen Zeit fuer seine Studien hat, und die Kinder sollen sich zwischen durch auch ohne uns zurechtfinden. Da ich auf die Reise Hallenschuhe als Turnschuhe habe, war ich gut ausgeruestet, ein paar Trainingshosen waren schnell gefunden. Die Klasseninhalte haben sich in den letzten 14 Jahren nicht gross veraendert, nur die Namen sind anders. Ich habe mich zu einer zweitmonatigen Mitgliedschaft ueberreden lassen (statt ein No Comit Contract), da gehoert ein erstes Gespraech mit einem Personal Trainer dazu... Diesem musste ich dann klar machen, dass ich nicht irgendwelche Ziele (seine) mit seiner Hilfe in den naechsten acht Wochen erreichen moechte. Ich moechte nur ab und zu in die Fitnessklassen. Nach dem ersten "Bodypump" (Kraftuebungen mit Gewichtsstange) hatte ich eine Woche Muskelkater. Zugegeben, ich habe ein paar Kilo zu viel auf die Stange geladen... Das heutige "Bodystep" war das, was ich mir vorstellte. Muehe hatte ich mit der Koordination, es war kompliziert und schnell und in Englisch...

Flurin und Livio
Flurin und Livio sind ein starkes Team und spielen oft zusammen. Da sie sich aeusserlich von australischen Kindern nicht unterscheiden (wie es in Hongkong und Yap der Fall war), haben sie keine besondere Aufmerksamkeit, werden nicht speziell angesprochen und muessen sich nicht mitteilen. In Yap hat mal eine Hotelangestellte die Kinder zu ihren Nichten und Neffen mitgenommen. Mutig sind sie mitgegangen, haben Suessigkeiten bekommen und sind im Auto rumgefahren (die Nichten waren wohl nicht zu Hause...). Flurin und Livio waren ganz auf sich gestellt in der Kommunikation.
Die Kontakte mit australischen Kindern sind kleiner, als wir dachten und beschraenken sich auf gelegentliche Spielplatzbesuche (man suche nebenan das richtige Kind). Wir dachten auch, dass sie hier in Australien vielleicht mal ein Brot einkaufen gehen. Aber nur schon die fehlenden Trottoirs und die Strassen ohne Fussgaengerstreifen machen dies unmoeglich. (Hier nimmt man eh fuer alles das Auto.)
So hatten wir die Idee, zwischendurch einen Babysitter zu engagieren, damit Sie noch etwas mehr in Kontakt mit dem Land kommen und wir mal etwas Zeit fuer uns haben. Tracy hat uns eine Liste mit Empfehlung der Schule, die ihre Tochter besucht, hier gelassen. Morgan, die Babysitterin, ist eine junge Frau, geht zur Uni, kann daher auch mal an einem Nachmittag unsere Buben unterhalten.

Autofahren
Ist eigentlich nicht mehr der Rede wert. Aber die Routine ist gefaehrlich. Das war ich mir zwar bewusst, trotzdem landete ich gestern nach einer Kreuzung ploetzlich auf der rechten Fahrspur - gluecklicherweise kam keiner entgegen und war Felix so aufmerksam.

Stadt
Der Busbahnhof in der Innenstadt ist super. Alles unterirdisch mit direktem Zugang zu grossen Einkaufszentren und zur Hauptgasse. Ueberhaupt ist die Stadt sehr gut baulich geplant. Einerseits weil die Staedte nicht so alt sind wie bei uns und vorausschauend geplant werden konnten, andererseits wohl wegen der Weltausstellung 1988. So sind zum Beispiel alle Museen in Gehdistanz voneinander entfernt (da gibts sogar Leute, die dazu nicht das Auto nehmen.) In der Southbank - von der City her auf der anderen Seite des Flusses gelegen, hat es eine kuenstliche, oeffentliche Strandanlage. Sie ist seit den Ueberschwemmungen noch nicht wieder ganz aufgebaut. Die Stadt ist sehr gruen. Es gibt viele Parkanlagen mit vielen Spielplaetzen, viele dem Fluss entlang und weitlaeufig. Dort lassen wir die Kinder manchmal auf Chloes rosa Velo und dem Trotti austoben.

Schule
Hier haben sie Schuluniformen und diese sind grauenvoll, eine schlimmer als die andere, oft mit Kniesocken, kurzen Hosen, unfoermigen Hueten und farblich ueberhaupt nicht abgestimmt...
Die Kinder erscheinen uns eher unselbststaendig. Sie werden ueberall hin, so auch zur Schule, gefahren und werden dort wieder abgeholt. Das fuehrt dazu, dass sich bei unserer Quartierstrasse am Morgen und am Nachmittag regelmaessig ein Stau bildet.
Die kleinen Kinder hier sind uebrigens namenlos. Wir wissen nicht, was so gaengige Namen sind, alle werden "Sweetie" oder allenfalls "Darling" genannt.

Mittwoch, 6. April 2011

Sunshine Coast - Byron Bay - Nimbin - Mt Warning

Vor 10 Tagen nahmen wir unseren ersten groesseren Ausflug zur Sunshine Coast in Angriff. Am Morgen waren wir in Maroochydore, badeten im Fluss, sprangen durch die Wellen im Meer und sammelten viele Muscheln. Fuer den Triathlon-Weltcup-Wettkampf am Nachmittag in Mooloolaba hatten wir am Vorabend Schweizer Faehnchen gebastelt und diese dann kraeftig geschwenkt. Es hat sich gelohnt: Ruedi Wild, Felix' ehemaliger Schueler, wurde 4. und hat gute Chancen, die Schweiz an den Olympischen Spielen 2012 zu vetreten.

Das Wetter ist seit Tagen sehr unbestaendig und die Wettervorhersagen scheinen schwierig. Die Wetterstationen widersprechen sich teilweise diametral. Die Regenguesse koennen relativ kurz dauern oder eben Stunden...

Trotzdem wagten wir uns fuer einen Mehrtages-Ausflug nach Byron Bay. Ja, es ist sehr touristisch und an fast allen Motels und Absteigen steht "no vacancy". Aber der Hauptstrand ist sehr breit und die Leute verteilen sich gut, so dass wir uns mit unseren Kindern nicht eingeaengt fuehlten. Im Staedtchen hat es vor allem ein grosses Angebot von allem, und die Waren sind wegen regem Umsatz frisch. Die Takeaway Menues werden frisch zubereitet, man wartet vielleicht 15 - 20 Minuten und bekommt extrem feines Essen. Im Gegensatz zu Surfers Paradise an der Gold Coast, wo alle Maedels blondiert und die Jungs braungebrannt und gestaehlt sind (da waren wir letzte Woche), waren die Leute in Byron Bay sehr normal. Zum Teil etwas hippig - die Stadt wird ihrem Ruf schon gerecht.

Am Abend machten wir einen Ausflug zum Leuchtturm, gingen weiter zum oestlichsten Punkt von Australien (Festland) und noch weiter zu einem kleinen, verlassenen Strand, wo wir unser Picknick-Znacht assen und Delfine beobachteten. Erst beim Eindunkeln gingen wir die 332 Stufen hoch zum Leuchtturm zurueck und stampften laut, nachdem uns eine Frau vor Schlangen warnte...


Am naechsten Morgen verregnete es uns schon bem Morgenessen-Holen. Die erste Regenpause nutzten wir fuer einen Spaziergang an einem Strand, wo wir waehrend einer Stunde niemandem begegneten. Wir waren "in the middle of nowhere", kein Kiosk, keinen Stand, nur ein Naturschutzgebiet und das Rauschen der Wellen. Und das alles fuenf Minuten Autofahrt weg von Byron Bay. Wir hatten das Wetter auf unserer Seite. Die Sonne kam, und nachdem wir den monatlichen Hippie-Markt mit vielen lokalen Spezialitaeten besucht (und wieder hervorragend gegessen) hatten, gings wieder ans Meer zum Wellenspringen.

Am dritten Tag fuhren wir ins Landesinnere. Wir schauten in Nimbin vorbei, einer Hippie-Kommune, die sich bis heute haelt. Es schien uns, dass uns kaum ein "normaler" Mensch begegnete, und dieses Schild gab uns recht:

Der Mount Warning Holiday Park war unsere naechste Station: In der Nacht hoerten wir Koalas und den Regen, der nicht mehr aufhoerte. Eigentlich wollten wir auf den Mount Warning. Seine Spitze ist der erste Punkt Australiens, der morgens die Sonne sieht. Wir machten dann nur einen kleinen Spazierweg durch den Regenwald, der mit 20 Min angeschrieben war, wir waren aber nach maximal fuenf Minuten oben. Wir sind eben echte Schweizer (oder wir waren vom Regen getrieben)...
Da der ganze Himmel schwarz war, traten wir eher uebel gelaunt den Heimweg an. Kingscliff, eigentlich unser drittes Ziel fuer zwei Naechte, liessen wir angesichts des Regens fallen...

Donnerstag, 31. März 2011

Schwimmen

Ein Text fuer alle paedagogisch Interessierten, fuer alle Sportbegeisterten und fuer Muetter, die Schweizer Schwimmkurse kennen...

Wir nutzen die warmen Tage (ueber 30 Grad) zum Baden, weil wir nicht genau wissen, wann der Herbst da so richtig beginnt...
Zwei Dinge erleichtern unseren Buben das Schwimmen hier sehr: Die bei uns in diesem Alter eher verpoente Schwimmbrille und das warme Wasser (beziehungsweise die warme Luft).
Es ist unglaublich, was so eine Schwimmbrille ausmacht. Flurin, der ja eher wasserscheu ist, taucht und schwimmt im Hundeschwumm vorwaerts, solange die Luft reicht. Ich kann mich irgendwo hinstellen und er taucht zu mir. Nachdem er es im Hallenbad bisher manchmal gewagt hatte (auch nur mit Brille, wenn wir sie gelegentlich dabei hatten), unter Wasser auf den Poolboden zu sitzen, hat er nun entdeckt, mit dem Kopf voraus ins Wasser zu tauchen. Wie ein Delfin, Huepfer um Huepfer. Und heute ist er dann sogar nach unten nach Tauchstaeben getaucht. Mit der Orientierung und dem Schutz vor dem (Chlor)wasser scheint er eine wahnsinnige Sicherheit gewonnen zu haben. Und weil er nicht friert, hat er eine Ausdauer an den Tag gelegt, die wir von ihm nicht so kennen.

Livio macht einen Schwimmkurs. Nachdem auch er nach zwei Tagen vorwaerts getaucht ist, ist er im Level 2 eingeteilt. Die Leiterin ist ein bisschen ueberstellig, hat mich "Sweetie" und "Darling" genannt - nicht so mein Fall... Sie ist aber super, weil ihr Ausdruck und ihr Vorzeigen fuer Livio zum Verstehen genuegt, sie kann die Kinder extrem motivieren. Der Unterricht ist ganz anders als bei uns. Level 2 heisst schwimmen lernen. Es gibt hier keine Uebungen fuer die richtige Wasserlage oder dafuer, wie lange man die Augen unter Wasser offen halten kann, es geht einfach rein in die Sache. Die Kinder lernen von Anfang an Freestyle mit Startsprung und Rueckenschwimmen mit dem entsprechenden Start. Sie machen Bubbles und dazu mit den Armen drei (sehr langsame) Crawlzuege, danach wird geatmet. Das alles macht immer ein Kind - waehrend die anderen warten - mit der Lehrerin, die die Bewegungen fuehrt.

Der Paedagogik bin ich noch nicht ganz auf die Spur gekommen: Einerseits wird die richtige Atmung und Bewegung von Anfang an konsequent geuebt. Andererseits sind die Kurse total easy und lustig, die Kinder werden nicht korrigiert oder machen eine Uebung noch einmal. Es wird ihnen einfach die richtige Bewegung gefuehrt, zum richtig lernen gehts so lange, wie es halt geht. Sie werden konsequent nur gelobt.

Montag, 21. März 2011

Erste Tage in Brisbane

Luke holte uns am Donnerstag 17. Maerz am Flughafen ab, seine Frau Tracy und die fuenfjaehrige Tochter Chloe erwarteten uns zu Hause. Schon waehrend der Autofahrt fiel uns auf, wie gruen die Stadt ist. Die Skyline umfasst ein paar wenige, gut ueberblickbare Wolkenkratzer (verglichen mit Hong Kong ...). Tracy uebergab uns noch neben dem Auto die Hausschluessel und forderte uns auf, selber in "unser" Haus zu gehen.

Wir sind dann ziemlich lange zusammen gesessen, sie haben uns Vieles gezeigt und erklaert, von Einkaufsmoeglichkeiten ueber die Gewohnheiten des Gaertners bis zum Recycling. Obwohl wir nur per Skype und Mail Kontakt hatten, war es, als wuerden wir sie schon lange kennen. Die Kinder haben sofort miteinander gespielt. Irgendwann haben sie uns und ihr Haus verlassen. Das war wahrscheinlich nicht nur fuer uns ein bisschen komisch. Sie wohnten bis zu ihrem Abflug bei Tracys Mutter. Wir sollen uns in Ruhe einleben und wuerden uns am Samstag wieder sehen.

Das Haus hat viereinhalb Zimmer, ist liebevoll eingerichtet und hat eine charmante Ausstrahlung. Es gibt einen Garten mit Seiliplampi, Trampolin, Kletterstrick und Baeumen zum hochklettern. Dazu gibt es viele (laute) Voegel, riesige, aber harmlose Spinnen, einige Geckos im Haus (die sind auch laut) und eine Schlange im Keller. Am Abend wuerde man manchmal ein Opossum im Garten sehen.

Am ersten Tag mussten wir doch einige Einkaeufe machten. Zum nach Hause tragen wuerde es zu viel, wir mussten das Auto nehmen... Felix hat die Karte gelesen und ich bin gefahren. Hilfe!!! Die linke Spur ist ja noch das eine und auch den Blinker finde ich (meistens) sofort, aber die Schaltung auf der anderen Seite (trotz Automat), alle Spiegel verkehrt herum und die Distanzen von der Autobreite finde ich ganz muehsam. Und aus dem Auto geflucht haben sie auch schon - da sind gewisse Australier (Maenner jedenfalls) aber gar nicht easy!

Am zweiten Tag haben Felix und Luke zusammen Geburtstag gefeiert. Gleichzeitig war es auch Lukes und Tracys Abschiedstreffen. Weil es Bindfaeden regnete, waren wir in einem Lokal, es war laut und wir mussten uns sehr konzentrieren, den Gespraechen zu folgen. Danach war das Abendessen zu siebt sehr gemuetlich und vertraut. Eigentlich schade, dass wir uns gerade von ihnen, die wir am besten kennen, schon verabschieden mussten.

Es faellt uns auf, dass wir aeusserlich erstmals nicht mehr als Touristen erkannt werden (wie bis anhin). Keiner nimmt Ruecksicht. Dort, wo wir bisher waren, haben viele als Zweitsprache Englisch gesprochen, da war es nicht so schwierig zu kommunizieren. Dazu kommt, dass wir tatsaechlich nicht wirklich Touristen sind, wir muessen uns um ganz andere Dinge kuemmern, wie wenn wir in einem Hotel waeren: So hatten wir beispielsweise schon einen Stromausfall und einen platten Autoreifen ... Es ist hier das volle Leben und somit eine ganz andere Herausforderung, als wir sie bisher hatten.

Nach ein paar Tagen fahren wir nun schon viel routinierter. Und weil auch Felix fahren moechte, bin auch ich schon viel routinierter im Karten lesen, obwohl ich die Karte noch immer nach jeder Kurve wieder drehen muss... Wir kennen nun schon mehrere Einkaufsmoeglichkeiten, waren auch schon schwimmen (in der Badi im Park) und auch schon in der Stadt.

Neben der Behebung von Stromausfall und plattem Reifen gibt es noch ganz andere Dinge zu lernen: In die Stadt wollten wir ja eigentlich mit dem Bus. Wir hatten schon herausgefunden, dass wir nur die eine Linie nehmen koennen, weil die andere nur fuer vorher geloeste Abos ist. An der Bushaltestelle stand nichts geschrieben, so haben wir auf der falschen Seite gewartet und nahmen dann genervt das Auto. Dort mussten wir zum Beispiel lernen, dass man um einen Parkplatz zu bezahlen nicht die Parkfeld- , sondern die Autonummer eintippen muss.
Oder mit der Karte bezahlen: da werden auf dem Display drei Moeglichkeiten angezeigt, von denen man eine waehlen muss. Die habe wir alle zuerst ausprobiert - und uns bei den hinten anstehenden Leuten an der Supermarktkasse entschuldigt...
Fruechte im Offenverkauf werden erst an der Kasse gewogen, in den Umziehkabinen der Badis duerfen Vaeter niemals ihre Toechter mitnehmen, und auch die Kabinenbereiche in den Warenhauesern sind strikt geschlechtergetrennt.
Rezyklierbares Material wie Flaschen, Buechsen und Papier werden wie der Hauskehricht zuhause abgeholt, aber es wird alles durcheinander in den Kleincontainer geworfen.

Das alles bestaetigt uns darin, dass es eine gute Idee war, uns hier erstmals einzuleben und noch keine grossen Ausfluege zu planen.
Am Samstag geht es eine gute Stunde Richtung Norden nach Mooloolaba, wo wir einen ehemaligen Schueler von Felix beim ersten Rennen der Triathlon World Cup Season 2011 anfeuern werden (Ruedi Wild fuer die sportlich Interessierten unter euch LeserInnen).

Samstag, 19. März 2011

Yap - Guam - Hongkong - Brisbane

Am Morgen frueh um 2.00h wurden wir vom Hotel zum Flughafen gefahren. Die Koffer wurden von Hand durchsucht. Nach dem ersten Rucksack wurde es ihnen zu bloed, den zweiten machten sie nicht mal mehr auf... Der Flug verlief ruhig und schnell. Noch in der Dunkelheit waren wir in Guam.
Wir holten unser Mietauto ab (war das praktisch mit den schweren Rucksaecken) und suchten das Hotel. Wir konnten sofort ins Zimmer, legten alles ab und fuhren zum Strand. So richtige Badestraende hatte es in Yap ja nicht, die Kueste ist meist mit Mangroven zugewachsen. Dort wo wir zwei Mal waren, war erstens Ebbe und zweitens der Boden mit Seegras zugewachsen. Ausserdem musste ich in Yap die Beine bis ueber die Knie bedeckt halten.

So genossen wir also die Morgensonne, den weissen Sandstrand, das Riff direkt am Strand, wo ein grosser blauer Fisch immer rund um uns herumschwamm, sonst aber nicht viel zu sehen war. Obwohl es nur zwei Stunden waren und wir durchaus an den Sonnenschutz gedacht hatten, haben wir die Sonne ein bisschen unterschaetzt. Oder anders gesagt, man sah genau, wo unsere Koerper schon sonnengewohnt waren...
Nach einem Mittagsschlaf schauten wir uns im Hauptort der Insel um, leider war Sonntag und somit nicht so viel los.
Am naechsten Morgen genossen wir den Hotelpool (klein aber fein), schauten "Tom und Jerry" und packten erneut unsere Rucksaecke. Vor dem Einchecken fuhren wir noch zu einem Aussichtspunkt und einem Kriegsdenkmal. Der Flug war kurz vor sechs, wuerde fast fuenf Stunden dauern, Ankunftszeit in Hongkong war aber wiederum erst 21.00h.

In Hongkong nahmen wir zuerst den Schnellzug in die Stadt und dort fanden wir sofort den Hotelbus. Diese Fahrt war extrem: Der Fahrer schlaengelte sich schnell, hektisch und effizient durch den mehrspurigen Verkehr. Immer wieder ertappte ich mich, wie mein Fuss bremsen wollte. Ueberhaupt die Stadt, diese Lichter, diese Wolkenkratzer, die Leute am Flughafen, die einen schnell, schnell in die richtige Warteschlage lotsten, die kaum warten mochten, bis wir unsere Paesse hervorgekramt hatten, wie effizient der Typ an der Reception unsere Personalien aufnahm - der Unterschied war gewaltig. Ich lag in diesem klimatisierten Hotelzimmer, fror und fuehlte mich ueberhaupt nicht bereit fuer diese Stadt. Ich wuerde mich nicht darauf einlassen, wuerde den Aufenthalt nur von aussen auf mich wirken lassen.

Ausgeschlafen war ich dann doch bereit fuer ein paar Entdeckungen. Zuerst Morgenessen kaufen (Donuts und Berliner), dann zum Spielplatz und zur Voliere im Park. Einige Gruppen beobachteten wir beim Taichi.
Gegen Mittag assen wir in einem chinesischen Restaurant, wo die Bedienung kein English sprach. Sie lachten ein bisschen, weil wir alle Gerichte ohne Fleisch bestellten, und wir versuchten, uns mit den Staebchen keine Bloesse zu geben, was uns recht gut gelang. Das ganze Personal begutachtete unsere Kinder und wir verstanden - obwohl sie chinesisch sprachen - dass sie die Zwillings-Frage diskutierten. Nach einem Mittagsschlaf, nahmen wir gegen Abend die Faehre von der Hongkong Insel zum Kwoloon-Quartier. Und zum Znacht deckten wir uns - endlich wieder - mit Joghurt ein und die Kinder hatten unbaendige Lust auf Fruechte aller Art...

Am naechsten Tag konnten wir ein late Checkout machen, bis 15.00h durften wir unser Zimmer haben, was wir fuer einen erneuten Mittagsschlaf nutzten. Am Abend wuerden wir bis um Mitternacht auf unseren Flug warten muessen... Mit dem Taxi fuhren wir zum Flughaufen. Das war Luxus, keinen Meter mussten wir unsere Rucksaecke tragen. Ausserdem gab es einen ganz anderen Blick auf die Stadt und war nicht etwa teurer als der hochmoderne Geschwindigkeitszug, den wir vom Hinweg her kannten.

Die Kinder schliefen schon am Flughafen und auch danach im Flugzeug wie Herrgoettchen. Ich schlief nur kurz und nutzte dann selber den Flugzeug-Fernseher (Black Swan). Nach einer Zwischenlandung in Cairns und weiteren zwei Stunden Flug waren wir also in Brisbane, meisterten den strengen Zoll mit zwei verschiedenen Spuerhunden und wurden von Luke abgeholt.

Freitag, 18. März 2011

Tsunami

In Yap machten wir am Schluss unseres Aufenthaltes keine grossen Spruenge mehr. Gewohnter Alltag mit frischen Bananen vom Hotelgarten, einkaufen, ein Paket mit Souvenirs nach Hause organisieren (nach Australien darf man nichts Pflanzliches - auch kein Holz - einfuehren), spazieren im Quartier, etwas fernsehen.
Und beim Fernsehen auf CNN sahen wir zufaelligerweise, fast live, wie diese Riesenwelle ueber die Japanische Kueste zog. Diese Bilder, wir konnten es kaum glauben.

Wir fragten uns: Was bedeutet das fuer uns? Dass diese Welle weiter uebers Meer gehen wuerde, war schnell klar. Dass unser Hotel "Hiltop" (sic) zwar in Meeresnaehe, aber auf einem kleinen Huegel stand, und dass wir an der von der Welle abgewandten Kueste waren, beruhigte uns ein bisschen.
Immer wieder schauten wir aus dem Fenster, aber draussen ging das Leben seinen normalen Gang. Die Strasse am Meer wurde rege befahren (jedenfalls fuer Yap-Verhaeltnisse), die Frauen wuschen ihre Waesche, keine Hektik.

Beim "Tom und Jerry"-Gutenachtfilmchen wurde dann folgende Mitteilung eingeblendet: Der Tsunami wird in Yap zwischen 19.00h und 19.30h erwartet. Draussen war immer noch keine Hektik zu spueren. Trotzdem entschieden wir uns fuer einen "Abendspaziergang" noch etwas hoeher hinauf. Noetig waere es nicht gewesen, aber die Gluehwuermchen waren es wert.

Schlafen konnte ich dann trotzdem kaum. Was war auf Ulithi? Wohin wuerden diese Leute gehen? Wuerden sie ueberhaupt gewarnt? Es ist naemlich so, dass ich mir in Ulithi im Hotel direkt am Meer durchaus Gedanken ueber Tsunamis gemacht habe. Eine latente Unruhe darueber bin ich nie ganz los geworden, bis wir die Insel verlassen haben.

Es kam keine Welle. Wir haben vor Ort nichts darueber gehoert und sahen keinerlei Verwuestungen, auch nicht unmittelbar am Ufer. Zum Glueck.